Wann ein Coaching funktioniert (und wann nicht)

Gründe, zu einem Coach zu gehen, kann es viele geben. Vielen Menschen versprechen sich von einem Coaching Orientierung, Klarheit, Bestärkung. Wenn sich Klienten von mir Beratung wünschen, sage ich freundlich aber bestimmt, dass ich das nicht leisten kann.  Wer bin ich, Sie beraten zu können zu Themen, die in Ihrem Leben gerade nicht rund laufen? Wer kann denn das überhaupt? Ein Sprichwort besagt „Ratschläge sind auch Schläge“ und da ist etwas dran, finde ich.

 

 

Für mich erklärt der Ursprung des Wortes „Coach“ die Möglichkeiten und Grenzen eines Coachings: es war einmal ein kleines Dorf in Ungarn namens Kocs (gesprochen Kotsch), in dem die ersten gefederten Kutschwagen hergestellt wurden. Der Begriff „Kutsche“ wurde abgeleitet von dem ungarischen Wort „kocsi“, das „aus Kocs“ bedeutet. Als dieses Wort in verschiedene europäische Sprachen übernommen wurde, wurde im Englischen daraus „Coach“. Ein Coach war also ein bequemes Transportmittel. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden dann private Tutoren für Studenten als Coaches bezeichnet, danach hielt der Begriff Einzug in den Sport und Trainer wurden auch Coaches genannt. Nach 1980 verbreitete sich die Bezeichnung des Coachings ins Management und wurde so benutzt, wie wir ihn auch heute noch kennen: ein Coach ist jemand, der einen anderen Menschen mit verschiedenen Methoden zu einem Ziel führt.

 

 

Ich bin also als Coach Ihr Kutscher und Sie nennen mir das Fahrtziel. Da ich ortskundig bin, kann ich Ihnen Wege empfehlen, aber Sie als Fahrgast entscheiden, ob Ihnen der Weg behagt oder ob Sie lieber auf einer Nebenstraße fahren wollen anstatt auf der vielbefahrenen Hauptstraße. Und wenn Sie mir am Anfang unseres gemeinsamen Weges sagen, dass Sie zum Bahnhof möchten und sich auf der halben Strecke dazu entscheiden, dass Sie doch lieber zum Hafen wollen? Dann wende ich und sage „Da kenn ich einen Weg“.

 

 

Manche Fahrgäste möchten ganz dringend einen Ort verlassen, andere möchten zu einem bestimmten Ort gelangen.  Das sind zwei völlig verschiedene Ansätze. Jeder, der schon mal in einer unglücklichen beruflichen Situation festgesteckt hat, kennt das Gefühl, diesen Job einfach nur hinschmeißen zu wollen. Was man stattdessen machen möchte, ist noch sehr nebulös – Hauptsache erstmal weg! Im Coaching sprechen wir von einer „Weg von“ und von einer „Hin zu“ Motivation. Beide können gleichermaßen sehr stark sein und ein ungeheurer Antrieb.

 

 

Zu Beginn eines Coachingprozesses kann die Weg-von-Motivation für den ersten Impuls zur Veränderung ausreichen. Sie können in die Kutsche springen und dem Kutschfahrer sagen „Bringen Sie mich weg von hier!“ Aber spätestens an der nächsten Weggabelung steht die Entscheidung an, ob es nach links oder nach rechts gehen soll. Denn hier entsteht die Hin-zu-Motivation. Die Weg-von-Motivation ist geprägt von schmerzhaften Erfahrungen, Leid und Druck. Wovon möchten Sie sich befreien? Was setzt Sie unter Druck, was bereitet Ihnen Schmerzen? Die Hin-zu-Motivation hingegen ist ganz Sehnsucht und Vision. Wo soll es hingehen? Nach welchen Erfahrungen sehnen Sie sich? Welche Themen und Menschen möchten Sie in Ihren Leben haben? Welche Werte möchten Sie leben, welche Träume möchten Sie sich erfüllen?

 

 

Damit die Hin-zu-Motivation entstehen kann, braucht es oft Zeit und einen gleichermaßen geduldigen, aufmerksamen und hartnäckigen Kutschfahrer. Stellen Sie sich vor, Sie steigen ohne Ziel in die Kutsche und der Kutschfahrer sagt „Oh, da kenne ich einen schönen Ort, der wird Ihnen gefallen, da bringe ich Sie jetzt hin!“ Und er fährt sie an einen See, aber Sie mögen gar kein Wasser und schwimmen nicht gerne, sondern fühlen sich in den Bergen viel wohler. Ein einfühlsamer Kutscher hätte hier im Vorfeld viel nachgefragt, um zu verstehen, in welchen Umgebungen Sie sich wohlfühlen, was Sie in der Vergangenheit glücklich gemacht hat und womit Sie schöne Erinnerungen verbinden. Und natürlich ist der Kutschfahrer auch darauf angewiesen, dass der Fahrgast offen und bereit ist, ehrlich Auskunft zu geben.

 

 

Haben Sie Lust auf eine Kutschfahrt? Wollen wir ein Stück Weg zusammen zurücklegen? Was möchten Sie hinter sich lassen? Was soll stattdessen in Ihrem Leben mehr Raum finden? Gerne begleite ich Sie ein Stück des Weges und wir erforschen gemeinsam, was hinter der nächsten Kurve liegt.

 

 

P.S. Was für mich ein bisschen hinkt bei dem Bild des Kutschers und des Fahrgastes: der Kutscher dreht dem Fahrgast den Rücken zu. Coaching hingegen funktioniert nur zugewandt und auf respektvoller wertschätzender Augenhöhe zwischen Coach und Klient.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0